Oliver Scheides

Songpoet & Liedermacher Montag, 25.09. um 20:00 Uhr im Schiff, Freiburg, Schwarzwaldstr. 82

Für CD Bestellungen und Booking-Anfragen an info@oliver-scheidies.de schreiben.
Zur Zeit sind die Alben "Feiert das Leben" und "Ein Sonntag im April" LIVE vorrätig.
https://soundcloud.com/oliverscheidies

"Kleine lyrische Juwelen" BADISCHE ZEITUNG 24.04.2017 von Dorothee Philipp
Oliver Scheidies und Konrad Wiemann bieten zur Eröffnung des Müllheimer Zeltfrühlings einen Abend voller Poesie, süßer Melancholie und aufmüpfigem Rebellentum.
Der Kerl ist echt. "Vertraut eurem Herzen", "glaubt an euch" – das sind bei Liedermacher Oliver Scheidies nicht nur Parolen. Wie sonst könnte er zum Start des Müllheimer Zeltfrühlings einen so kuscheligen Abend voller Poesie, süßer Melancholie und aufmüpfigem Rebellentum durchziehen und dabei noch kabarettreife Meetings mit Udo Lindenberg, Klaus Kinski und einer übermüdeten Ehefrau einstreuen?

Weit entfernt von der ärgerlichen, zuckerwattigen Beliebigkeit, mit der die deutsche Popkultur allgegenwärtig die Gehörgänge malträtiert, sind Scheidies’ Texte kleine lyrische Juwelen. Gerade weil er jegliche Distanz aufgibt und auch dorthin schaut, wo Versagen, Elend oder Hoffnungslosigkeit wohnen, werden sie so kostbar. Denn sein Blick ist zwar durchdringend, aber liebevoll und neugierig. Etwa im "Zitronenschlösschen" der Obdachlosen in Neckarstadt-West oder in der Berliner U-Bahn, wo vielleicht auch ein Zug fährt, "der niemals hält". Immer wieder blitzen in diesen Miniaturen die großen Themen des Menschseins durch, Tod und Vergehen, das Spiel der Zeit, Einsamkeit und Scheitern, Liebe und die Euphorie eines Augenblicks.
Scheidies bedient keine billigen Klischees, er wählt seine Themen eigenwillig aus, hinter jedem steht auch eine echte Geschichte, das spürt man. So erzählt er beispielsweise zur Berlin-Hymne von einem Obdachlosen in der U-Bahn, der ihm berichtet, er sei vor einem Vierteljahr gestorben. Dann kommt eine ganz bizarre Story, wie ihn ein Kumpel beim Sozialamt abgemeldet hat, weil er aus der Stadt weggegangen ist. Und als er wiederkommt, ist er dort gelöscht und wird als "verstorben" geführt. Die Geschichte ist zwar nicht im Liedtext verarbeitet, dieser fängt aber genial die gespenstische Atmosphäre von Existenzen in Parallelwelten ein.

Ein wunderschönes Porträt gelingt ihm mit dem südkorsischen Bonifacio, wo er Schmugglerschnaps trinkt, mit der Zigarette zu den Klippen geht und dort seiner Einsamkeit und "Sehnsucht nach dir" die Zügel schießen lässt. Solche Exkursionen in die Gefühlswelt gehen bei Scheidies ohne tranige Sentimentalität ab. Sein musikalischer Stil hat eine beachtliche Bandbreite zwischen hart und zart, die Gitarrenintros sind einfallsreich und technisch versiert, Melodik und Harmonik freundlich, aber nicht anbiedernd. Dazu kommt ein maskuliner Bassbariton mit viel Volumen und sinnlichen Komponenten. Kongenial dazu passt die Aktion von Konrad Wiemann, der mit seinen Trommelstöcken ganze Bilder und Szenen malen kann. Wenn es besonders melancholisch wird, lässt er die Melodika klagen oder streut mit dem Glockenspiel Silberflitter aus. "Der Mond lädt die Erde zum Festbankett", "das Herz bleibt hungrig", "statt seiner Seele heult der Motor auf" – Scheidies kupfert nirgends ab, sondern bringt Eindrücke und Stimmungen in unverbrauchte Formeln, die ihren Weg direkt zu den Herzen der Zuhörer finden.

Die kabarettistische Komponente bedient an diesem Abend Udo Lindenberg als "Special guest". "Dididi dii düüü" – die Zuhörer lassen sich nicht zweimal auffordern, da mitzusingen. "Wenn ihr Bock habt, könnt ihr auch ein bisschen die Sau rauslassen", das klingt zum Verwechseln nach Udo, der Appell ist aber auch eher liebevoll-ironisch gemeint angesichts der Wohnzimmer-Szenerie im kleinen Zelt.
Fast zwei Stunden ohne Pause agieren Scheidies und Wiemann, es wird ein wunderschönes Konzert, in dem immer neue Kapitel aufgeschlagen werden, abwechslungsreich, lustig, traurig und bis zum Schluss kein bisschen langweilig.

"DAS LEBEN IM BLICK"( ein wunderbares Portrait von Bettina Gröber in der Badischen Zeitung vom 13.08.2016 )
BZ-PORTRÄT: "Der Wahl-Freiburger Musiker und Wortakrobat Oliver Scheidies hat jetzt sein neues Album "Feiert das Leben" veröffentlicht.
Es gibt diverse Typen von Bühnenkünstlern: Da ist der gefühlvoll-schmeichelnde Meister der leisen Töne ebenso wie der Lautstarke vertreten, dessen musikalische Botschaften hart auf das Trommelfell treffen. Und da hört man den politisch engagiert singenden Barden ebenso wie den komödiantisches Talent beweisenden Entertainer. Nicht wenige Musiker haben sich auch an der Kombination mehrerer Richtungen versucht, nicht immer mit durchschlagendem Erfolg. Oliver Scheidies vereint in sich und seiner Musik ebenfalls ganz unterschiedliche Facetten – und er tut dies erfolgreich, weil überzeugend. Scheidies’ Lieder kombinieren vor allem dreierlei: das Philosophische, das zumindest am Rande Politische und das Humorvolle, Tragisch-Komische. Er könne sowohl "die Rampensau geben" als auch "liebevoll-satirisch" sein, sagt der 48-Jährige. Vor allem aber liege ihm das Tiefgründige: "Das entspricht meiner Natur."

Scheidies hat viel zu sagen – im persönlichen Gespräch ebenso wie in seinen Liedern. Eine ganze Zeit lang tat der gebürtige Hamburger, dessen künstlerische Ursprünge in der Schauspielerei liegen, das als Solokünstler. Im ersten Album, "Liebeslieder für alle", habe er sein Hauptaugenmerk auf das Kabarettistische gelegt, sagt er. Und es handelte sich um ein live eingespieltes Werk. Neu erschienen ist jetzt "Feiert das Leben", das in mehrfacher Hinsicht von Oliver Scheidies’ musikalischer Weiterentwicklung zeugt. Produziert von Jens Gebel, wurde es im Freiburger "Citysoundstudio" eingespielt – von Scheidies und Band. Mit sieben Musikern sei man nun unterwegs, "damit sich die Lieder ausbreiten". In Freiburg gab es in letzter Zeit drei Auftritte, unter anderem auf dem ZMF.

"Erfrischungskonzerte" sollten es sein, erklärt der Musiker, doch auch bei den humorvollen Stücken "komme ich am Tiefgang nicht vorbei". Die Auftritte gehen in der Tat unter die Haut, wiederum in mehrerlei Hinsicht: Satter Sound, gesanglich-stimmliche Qualität und Texte, die mal mehr das Gefühl, mal mehr den Geist ansprechen – da passt alles. "Feiert das Leben" bezeichnet Oliver Scheidies entsprechend auch als "Gesamtkunstwerk", und Recht hat er damit.

Zu jedem einzelnen Lied kennt der Schöpfer dessen "Biografie". Gerade in Freiburg, wo es sich als Künstler wunderbar leben lasse, geht Scheidies "mit offener Seele", wie er sagt, durch die Stadt. Mal durch die clowneske Brille, mal als Poet betrachtet er das, was ihm begegnet – das "Rohmaterial" für die Lieder. Anschließend komme der Wortakrobat zum Zug, der die Verse und Strophen "drechsle". Und schließlich die Abstimmung auf die Musik – so weit der exemplarische Entstehungsprozess eines Oliver Scheidies. Doch "Lieder sind eigene Lebewesen", ist der Künstler überzeugt. Und so zeigt sich auch erst am einzelnen Stück, was Scheidies’ Schaffensprozess wirklich an Ergebnissen zeitigt.

Beispiel "Freiburg", eines der Städte-Lieder, deren Komposition eine Leidenschaft von Oliver Scheidies ist – zudem ein musikalisches Aushängeschild. "Freiburg", das ist bei Scheidies weder platte Lobhudelei noch gesellschaftskritischer Verriss, auch keine pathetische Hommage – sondern eine ebenso sympathische wie pointierte Hymne an Toleranz und Weltoffenheit: "Nein, wir gehen niemals auf Distanz", ist die zentrale Botschaft und der Appell des Songs. Und dazu tritt dann der neue Aufruf: "Feiert das Leben – aber bleibt niemals stehen!" Den Augenblick feiern, das Leben im Blick haben – auch und gerade im Angesicht von Tod und Sterben: Dieses Thema ist ein wichtiges, mit dem sich Scheidies immer wieder beschäftigt. In vielen seiner Lieder scheint das auf, bisweilen auch implizit. Wenn etwa der Mond und die Erde, wie sie das in einem sehr melancholischen Song auf dem neuen Album tun, beim Tanz ihre "Spur auf dem Lebensparkett" hinterlassen, dann schwingt Transzendentes mit, die Idee vom unaufhaltsamen Lauf der Welt.

Drei Songs, drei von vielen weiteren Facetten des Poeten, des Liedermachers, des tragisch-komischen Clowns Oliver Scheidies. Schwierig ist es, den Künstler wie sein Werk abschließend zu beschreiben. Doch dass dem so ist, lädt umso mehr ein, Scheidies’ Musik mit jedem einzelnen Lied neu zu entdecken – es lohnt sich."

Das neue Album könnt ihr hier für 17,- € ( incl. Versand ) bei mir bestellen: info@oliver-scheidies.de
https://www.sofaconcerts.org/profile/artist/OliverScheidies